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Ein Speedboot ohne Menschen an Bord
Das ist eine Magura V5, eine ukrainische Seedrohne: ein schnelles Boot ohne Menschen an Bord. Die staatliche Firma SpetsTechnoExport baut es für den GUR, den Militärgeheimdienst der Ukraine. Erstmals gezeigt wurde es im Juli 2023. Das Boot ist 5,5 m lang, ragt nur 0,5 m aus dem Wasser und wiegt unter einer Tonne. Ein Pilot steuert es aus der Ferne per Satellit.
Außen sehen Sie einen niedrigen grauen Rumpf aus Verbundwerkstoff, also Fasergewebe in Harz. Auf dem erhöhten Aufbau hinten sitzen zwei Starlink-Antennen und eine Reserve-Satellitenantenne. Weiter vorn gibt es eine niedrige Kuppel mit Wärmebildkamera und eine feste Bugkamera. Der Wasserstrahlantrieb am Heck treibt das Boot an. Innen liegen ein Nutzlastraum für bis zu 320 kg, die Tanks und der Motor in einer schaumgepolsterten Wanne, darüber die Elektronik. Schalten Sie die Schnittansicht (C) ein, um sie zu sehen, oder warten Sie auf das Kapitel zum Antrieb.
Das Modell begleitet eine Fahrt. Das Boot verlässt eine Slipanlage, kommt ins Gleiten und fährt mit 22 Knoten, etwa 41 km/h. Ein Knoten ist eine Seemeile pro Stunde. Dann sprintet es mit 42 Knoten, etwa 78 km/h. Zwei weitere Boote fahren mit, bis sein Bug ein graues Schiff vor Anker erreicht.
Bei normalem Tempo fährt das Boot so schnell wie ein echtes, doch die Fahrt ist auf zwei Minuten gekürzt. Eine Reisefahrt von etwa 20 Stunden über die vollen 450 Seemeilen, rund 800 km, dauert hier 42 Sekunden, und auch der Sprint ist kürzer. Das Schiff liegt 1,5 km entfernt, nicht Hunderte Kilometer. Die Uhr zählt Modellzeit. Ziehen Sie an der Zeitleiste, um zu springen.
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Vom Schwimmen zum Gleiten
Im Stand drückt das Boot Wasser zur Seite, und dieses Wasser hält es oben: der Auftrieb. Wird es schneller, drückt das Wasser immer stärker gegen den schrägen Boden und hebt das Boot an. Trägt dieser Druck den größten Teil des Gewichts, hebt sich der Rumpf und gleitet: die Gleitfahrt. Das hintere Ende des Bodens bleibt immer im Wasser.
Jedes Boot macht eine Bugwelle. Bei etwa 5,7 Knoten ist sie so lang wie dieser 5,5 m lange Rumpf. Das ist die Rumpfgeschwindigkeit, eine Faustregel für Boote, die nur schwimmen. Ein Tempolimit ist sie nicht: Mit 42 Knoten ist die Magura etwa 7-mal so schnell. Zuerst muss das Boot den Widerstandsbuckel überwinden. Dort macht es große Wellen, und der Widerstand, mit dem das Wasser es bremst, steigt steil an. Die scharfen Bodenkanten, die Kimmkanten, bremsen hier zusätzlich und nützen erst in Gleitfahrt.
Bewegen Sie den Regler und achten Sie auf den Bug. Am Buckel hebt er sich am stärksten, dann senkt er sich. Dieser Winkel heißt Trimm. Bei etwa 3 bis 4 Grad ist der Widerstand am kleinsten. Die Gleitfahrt beginnt bei etwa 15 bis 18 Knoten, das Modell schaltet bei 16 um. Die nasse Bodenlänge, im Modell 5,1 m im Stand, schrumpft von etwa 4,5 m bei 15 Knoten auf 1,5 bis 2 m bei 42. Da keine Daten zum Buckel veröffentlicht sind, sind die Spitze von 6 Grad und die Gewichtsaufteilung eigene Werte des Modells.
Der Boden ist ein tiefes V, das die Schläge der Wellen dämpft. Der echte Winkel ist nicht veröffentlicht: Das Modell nimmt am Heck 20 Grad an, nach vorn spitzer. An der scharfen Unterkante des geraden Hecks reißt das Wasser sauber ab. Eine schmale Spritzleiste an jeder Seite, eine Annahme des Modells, lenkt die Gischt nach außen. Zu viel Trimm lässt ein gleitendes Boot springen: das Delfinieren.
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Eine Pumpe statt eines Propellers
Verfolgen Sie im offenen Rumpf den Weg der Kraft: Die Kraftstofftanks versorgen den Motor, und seine Antriebswelle dreht die Pumpe am Heck, den Wasserstrahlantrieb. Das Wasser kommt durch ein Gitter im Boden herein. Ein rotierender Impeller, ein Laufrad wie bei einem Ventilator, beschleunigt es. Feste Schaufeln, der Stator, nehmen den Drall heraus. Eine Düse schießt es nach hinten hinaus.
Die Kraft nach vorn entsteht, weil die Pumpe Wasser beschleunigt. Der Schub ist die Wassermasse pro Sekunde mal dem Tempo, um das der Strahl schneller ist als das Boot. Selbst eine perfekte Pumpe setzt nur 2 / (1 + Strahlgeschwindigkeit / Bootsgeschwindigkeit) ihrer Arbeit in Fahrt um: 80 %, wenn der Strahl 1,5-mal so schnell ist wie das Boot, bei langsamer Fahrt viel weniger.
Ab etwa 25 bis 30 Knoten ist ein Wasserstrahlantrieb einem Propeller ebenbürtig oder überlegen. Da unter dem Rumpf nichts hängt, kann das Boot auch in flachem Wasser fahren. Das Gitter hält sich meist selbst frei, Tang und Leinen können es aber trotzdem verstopfen. Das erste Boot dieser Reihe hatte im Mai 2022 einen Außenbordmotor. Spätere Boote von 2022, etwa eines, das bei Sewastopol gefunden wurde, nutzten einen Jetski-Motor von Rotax und eine Pumpe von Sea-Doo. Der Motor der Magura ist nicht offengelegt. Das Modell nimmt deshalb einen Benzinmotor wie im Jetski an, der die Pumpe direkt antreibt. Bei 42 Knoten bewegt die Pumpe geschätzt 210 Liter pro Sekunde.
Ein Ruder gibt es nicht. Die Steuerdüse schwenkt den Strahl bis zu 27 Grad zu jeder Seite. Schwenkt sie nach rechts, dreht der Bug nach rechts. Zum Bremsen oder Rückwärtsfahren senkt sich eine Umkehrklappe über die Düse und lenkt den Strahl nach vorn und unten. Mit dem Regler geben Sie Gas, im Modell ist das der Durchfluss der Pumpe. Drücken Sie auf Wiedergabe, um zur Fahrt zurückzukehren.
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Gesteuert aus Hunderten Kilometern Entfernung
Im November 2023 wurde auf der Krim eine Magura erbeutet. Laut russischen Angaben hatte sie zwei Starlink-Terminals an Bord, eine Reserve-Satellitenantenne von Kymeta, GPS, einen Linux-Computer und einen Router mit zwei SIM-Karten für die Küstennähe. Laut eigenen Angaben bietet der Hersteller außerdem Mesh-Funk, autonome Steuerung und bis zu drei Videostreams.
Der Pilot sitzt an einem Steuerpult in einem robusten Koffer. Lange Fahrten lassen sich vorab programmieren, doch ein Pilot schaut die ganze Zeit zu und steuert das letzte Stück oft von Hand. Vollständig autonom ist das Boot also nicht. Was ein echtes Boot tut, wenn die Verbindung abreißt, ist nicht veröffentlicht. Das Modell hält es auf Kurs.
Die typische Verzögerung von Starlink liegt an Land bei etwa 25 bis 35 ms, auf See kann sie über 100 ms steigen. Wie scharf das Bild ist, bestimmt der Upload: 10 bis 30 Megabit pro Sekunde, etwa so viel, wie drei Videostreams brauchen. Wie spät das Bild ankommt, ist nicht veröffentlicht. Bei 42 Knoten ist eine Viertelsekunde 5,4 m, etwa eine Bootslänge. Das Geisterboot zeigt, wo der Pilot das Boot sieht.
Gestörte und gefälschte GPS-Signale über dem Schwarzen Meer sind seit Mitte 2024 belegt. Vermutlich nennt der Hersteller deshalb auch Trägheitsnavigation und visuelle Navigation. Laut Elon Musk und der korrigierten Fassung eines Buchs über ihn von 2023 erwartete die Ukraine im September 2022 Starlink-Abdeckung nahe der Krim, die nie eingeschaltet worden war. Im Buch hieß es zuerst, sie sei abgeschaltet worden. Die Satelliten sind hier niedrig, nah und viel größer als echte gezeichnet.
So erreicht ein Befehl das Boot
- Pilot: bewegt einen Hebel oder Joystick.
- Bodenstation: funkt den Befehl nach oben.
- Satellit: gibt ihn nach unten ans Boot weiter.
- Boot: Der Computer verstellt Gas oder Steuerdüse.
- Video: kommt auf demselben Weg zurück, etwas verspätet.
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Niedrig genug, um sich hinter der Krümmung des Meeres zu verstecken
Das Meer ist gekrümmt, deshalb liegt der Horizont aus h Metern Höhe etwa 3,86 × √h km entfernt. Die Bootskamera sitzt etwa 0,7 m über dem Wasser und sieht nur etwa 3 km weit. Das 3D-Meer ist flach, denn auf 1,5 km fällt die echte Krümmung um weniger als 0,2 m ab. Die Zeichnung unten übertreibt sie.
Das Radar eines Schiffs trifft auf dieselbe Krümmung. Funkwellen biegen sich leicht, darum reicht seine Sichtlinie zu einem 0,5 m hohen Boot etwa 4,12 × (√h1 + √h2) km weit, Höhen in Metern. Bei einem Radar in 20 m Höhe sind das etwa 21 km. Das ist nur die größte Entfernung, auf die es das Boot überhaupt sehen könnte. Selbst dann hätte das Schiff bei 42 Knoten höchstens etwa 16 Minuten Vorwarnzeit.
Wirklich entdeckt wird das Boot erst später. Der Radarquerschnitt eines kleinen Boots, also wie groß es für ein Radar wirkt, liegt bei etwa 0,5 bis 5 m². Für die Magura ist keiner veröffentlicht. Eine Norm für Küstenradar erwartet, dass ein fortschrittliches Radar ein Ziel von 1 m² in 1 m Höhe auf etwa 9 km findet, bis Seegang 4 (Wellen von 1,25 bis 2,5 m). Das sind bei 42 Knoten etwa 7 Minuten Vorwarnzeit. Kleine Boote können bis zur Hälfte der Zeit hinter Wellen verborgen sein, und die Seegangsechos, die Echos der Wellen selbst, können ihr Echo überdecken.
Wer die Boote einsetzt, sagt, sie seien schwer zu entdecken. Ein Kommandeur der Gruppe 13 des GUR sagte, Radar erfasse den Kunststoffrumpf schlecht, und das Boot gebe wenig Wärme ab. Das sind Behauptungen, Messungen sind nicht veröffentlicht. Laut einem russischen Bericht über ein zerlegtes Boot verringert die schaumgepolsterte Motorwanne die Erwärmung der Außenhaut. Die Boote sind grau, und die bekanntesten Angriffe kamen nachts oder im Morgengrauen. Tippen Sie auf die Schaltflächen, um den Seegang zu ändern.
06
Günstig, klein und ständig im Wandel
Eine Magura V5 kostet etwa eine Viertelmillion Dollar. Sea Baby, ein anderes Boot des SBU, des ukrainischen Sicherheitsdienstes, kostet etwa 221.000 USD. Das Patrouillenschiff Sergej Kotow, das im März 2024 nach einem Magura-Angriff sank, ist laut GUR etwa 65 Millionen USD wert.
Die Boote sind selten allein unterwegs. Bei vielen gemeldeten Angriffen fuhren Gruppen von etwa fünf bis zehn Booten. Laut den Entwicklern hat jedes seine Aufgabe. Als versenkt gemeldete Schiffe bekamen mehrere Treffer ab. Die zwei Begleitboote in der Fahrt und ihre Formation hat das Modell gewählt.
Die Bauweise ändert sich ständig. Im Dezember 2024 rüstete der GUR V5-Boote mit zwei Luft-Luft-Raketen vom Typ R-73 aus, die nun Sea Dragon heißen. Die Schaltflächen zeigen diese Ausrüstung, die nur das Deck ändert, nicht die Fahrt. 2025 stellte der GUR die größere Magura V7 vor, 7,2 m lang, mit bis zu 650 kg Nutzlast.
Die Liste unten gibt nur wieder, was jede Seite sagt, und vieles ist umstritten. Das britische Verteidigungsministerium zählt von Februar 2022 bis Juni 2024 mindestens 26 russische Marineschiffe, die durch Waffen aller Art beschädigt oder zerstört wurden. Das ist etwa ein Drittel der Schwarzmeerflotte.
Bekannte Ereignisse, laut Berichten
- 29. Okt. 2022, Sewastopol: See- und Luftdrohnen trafen die Fregatte Admiral Makarow und ein Minenräumboot. Russland räumte leichte Schäden ein.
- 31. Jan. bis 1. Feb. 2024, Donuslaw-See: Magura-V5-Boote versenkten die Korvette Iwanowez. Der GUR spricht von sechs Treffern, Videos zeigen etwa drei.
- 4. bis 5. März 2024, Straße von Kertsch: Magura-V5-Boote versenkten das Patrouillenschiff Sergej Kotow. Laut der Ukraine waren fünf Boote beteiligt.
- 31. Dez. 2024, Kap Tarchankut: Laut GUR schossen Magura-V5-Boote mit R-73-Raketen Mi-8-Hubschrauber ab, eine Premiere für Seedrohnen. Erst behauptete der GUR einen Abschuss, später zwei.
- 2. Mai 2025, nahe Noworossijsk: Laut GUR schossen Magura-V7-Boote mit Sidewinder-Raketen zwei Su-30SM-Jets ab. Russland hat das nicht bestätigt.